Kap. II

 

Nun sitz ich hier in der Anstalt für geistig Verirrte und Verwirrte, und überfliege das gestern Niedergeschriebene. Nächtens ist etwas vollkommen Neues, unerwartetes passiert, wobei, so unglaublich ist es nun auch wieder nicht. Vielmehr handelt es sich um eine logische Konsequenz, die ich mir, solange sie nicht eingetreten war, nicht ausmalen konnte; sei´s drum, passiert ist es trotzdem, und ich werde ihnen sodann davon erzählen.

Nun, ich muss zugeben, meine Herren, denn ich will schonungslos ehrlich mit ihnen sein, vorgestellt habe ich es mir schon, und sie wohl auch, aber ich habe nicht geglaubt dass ich mir das getrauen, es zulassen würde. Langsam und mit Bedacht, wie soll ich beginnen? Diese Bekannte, gute Freundin, imaginäre Schwester (darauf basierte unsere Beziehung bis gestern Nacht) – transzendierende Beziehungsmuster – hatte mich gestern besucht. Meine Unsicherheit war bei weitem größer als meine Erwartungen. Zuerst lief alles wie geplant – sie war zwar etwas verändert, doch das hatte ich bereits erwartet. Geschickt, so muss ich zugeben, machte ich sie immer wieder auf ihre veränderte Aura aufmerksam, sei es durch verbale Hints oder durch mein vielsagendes dämonisches Grinsen. Gegen Abend lockerten sich ihre psychischen Anspannungen. Sie trägt, müssen sie wissen, 2 Lichter in sich, ein kleines schwaches, das immer stärker wird, und ein großes machtvolles, welches das kleine ver- und überdeckt; es ist ein Schutzlicht, welches, wie gesagt, sehr machtvoll ist und sehr hart mit dem kleinen kindlichen Lichtlein umspringt, aber welches sie bei Unsicherheit immer wieder leuchten lässt. Mit der Zeit aber, lockte ich auch das kleine wieder hervor, und sie war wieder Ganz.


Nächtens mussten/wollten wir mein Bett (naja, an sich ist es nur eine auf den Boden ausgebreitete Matratze) teilen (sie war ja von weitem angereist). Zuerst überkam mich die Angst: davor, was schon einmal passiert war zwischen uns (ich meine damit nicht ES),meiner ständig in mir präsenten machtvollen schmerzhaften Vergangenheit, vor den Traumata der Kindheit und Jugend. Ich lag also so neben ihr, in sicherer Distanz, aber ich wusste, dass es da etwas in mir gab das raus wollte; eine ganze Stunde zwischen Flucht und Annäherung – schließlich Krampfanfälle, Drogen – Beruhigung. Doch immer noch war dieses Etwas in mir und wollte endlich gehört werden. Gesundes Libido. Trieb. Verlangen.; Rost, Kasten, hölzernes Gefängnis. Raus! Entschied ich, und der innere Kampf gegen die Mutter war gewonnen, da drängte sich schon die nächste Gestalt auf: Mein innerer Moralapostel. „Das ist doch falsch, seinen verwirrten körperlichen Begierden nachzugeben. Frag Gott, horch nach Innen – Wo ist dein Licht? Es will leuchten!“ Der Entschluss manifestiert sich: Ich werde es wagen. Egal was es ist und was kommt. Ich will es ich brauche es mein Körper braucht es, es ist nichts verwerfliches daran! (Wobei, war es nicht von Anfang an klar, dass es so enden würde? Mein werter Genosse hatte es mir gesagt, nicht mir davor gewarnt, das entspricht nicht seiner Art, es mir einfach mitgeteilt; und er behielt recht: Einfache Freundschaft zwischen Mann und Frau kann nicht funktionieren, seien die beide auch noch so weit voneinander entfernt, oder denken sie das zumindest).

Dann passierte das: Nähe, Wärme, Rausch, Verlassen, hin-und-her, gehen, (be)greifen. Hinein. Bleiben – das Erlebnis steigerte sich nicht zum absoluten Höhepunkt (wenn das nicht mehr ein weit verbreiteter Irrglaube ist als eine faktische physische und psychische Tatsache) doch alleine dass es passiert war ist ein solcher -

  • Und jetzt, danach? Befreiung. Durst nach Mehr.


Nüchterne Sprache. Wie viel ergreifender und emotionaler hätte ich das alles vermitteln können, meine Herren. Doch ich schrieb es auf gerade so wie es sich in meinem Inneren befindet. Das heißt, ich bin unsicher, was diese Sache betrifft, und kann mich im Moment nicht tiefer darauf einlassen. Fehler, Übertreibung, Schönes Abenteuer, einmaliger Ausrutscher, Ende von Altem, Beginn von Neuem? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht; ich bin verwirrt und verirrt.

Helfen sie mir doch, meine Herren! Ich flehe sie an....(doch wie sollten sie mir denn helfen können? Wenn sie dies lesen, habe ich doch die ganze Geschichte und alle damit verbundenen Emotionen schon lange hinter mir gelassen.)


Nun, das war alles was ich ihnen im Moment darüber berichten kann. Es wird sicher noch einiges zu diesem Themenbereich folgen, dessen können sie sich gewiss sein (und ich bin es mir auch). Doch nicht jetzt, gleich, später...

1.9.10 21:31

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