Moderne Mythen - Two and a half men - Geschichten von Onkel Charlie

 

Moderne Mythen:

 Two and a Half

 Men –

 Geschichten von

 Onkel Charlie

 

 

 

Einleitung:

 

Die Sitcom „Two and a half Men“ ist seit Jahren eine der erfolgreichsten Serien nicht nur im Produktionsland USA (vgl. IQ1), sondern auch in vielen anderen wie Deutschland (siehe IQ2b zu „Rekordeinschaltquoten auf Pro7&ldquo oder auch Österreich ( vgl. Amazon-Verkaufscharts (siehe IQ2a) in der Kategorie „TV-Serien“, wo die 5 ersten Staffeln von 2HM* unter den ersten 6 Plätzen rangieren). Nun lässt sich der Erfolg einer solchen Serie alleine auf diverse produktions-bezogene Kategorien wie gutes Drehbuch und Regie, kreative Kamera, herausragende Darsteller (allesamt durch diverse Auszeichnungen / Nominierungen bestätigt, vgl. IQ1) zurückführen. Auf eine kritisch-anthropologischen Perspektive werden aber durchaus mögliche andere Faktoren offensichtlich, vor Allem, wenn man Sitcoms und TV-Produktionen als moderne Mythen betrachtet, die großteils die Aufgaben „traditioneller“ Mythen übernehmen und bereits übernommen haben.

 

Satelliten des Sozialen“

Mythen nehmen im Spektrum gesellschaftlicher Institutionen eine Sonderstellung ein . Sie sind sowohl Teil der Gesellschaft, die sie hervorbringt, als auch Abbild derselben, zugleich haben sie eine fixen Platz (eine Funktion) innerhalb, stehen aber dennoch, als etwas Abstraktes, außerhalb. Gleichsam einem Satelliten kreisen sie um das soziale und kulturelle Geschehen, „Großbildaufnahmen“ sind ebenso möglich wie Nahaufnahmen von den kleinsten Details sozialen Geschehens. Dabei stehen diese „Satelliten des Sozialen“  stets in Verbindung mit der Ort, welchem sie entsandt wurden, regelmäßig kehren sie zurück, jedenfalls aber senden sie regelmäßig Botschaften an die Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat. Die Existenz der menschlichen Gesellschaft ist Entstehungsvoraussetzung für einen Satelliten wie für eine Mythe. Beim einen ist die Technik (der technische Fortschritt) die konkrete Entstehungsbedingung sowie die Basis der Funktion, also des Austausches von Botschaften, bei den Mythen, um die Analogie zum Ende zu führen, ist die Sprache (die sprachliche Entwicklung) Entstehungsbedingung und Basis der Funktionalität, und das Medium, über welches Bedeutung produziert und ausgetauscht wird (vgl. Stuart Halls Theorie zu „shared meanings“, vgl. Mader: ….) Im konkreten Fallbeispiel handelt es sich um eine „moderne Mythe“, die eine äußerst interessante Struktur aufweist und des weiteren vor Allem in Hinblick auf Gender- und Familienbeziehungen und der Tradierung von Werten interessant ist.

 

 

Inhalt und zentrale Charaktere von Two and a half Men:

(Quelle: wikipedia.de, vom Autor leicht verändert)

Die Serie handelt vom leichtlebigen Werbejingle-Komponisten Charlie Harper (Charlie Sheen). Er lebt ein freizügiges Leben und hat unzählige kurze Affären. Dieses Leben erfährt jedoch eine große Wende, als sein Bruder Alan (Jon Cryer) vor der Tür steht, da sich seine Frau Judith (Marin Hinkle) von ihm getrennt hat. An den Wochenenden betreut Alan seinen Sohn Jake (Angus T. Jones), weshalb Charlie von nun an zwei Dauergäste bei sich in seinem großen Haus am Strand von Malibu hat. Alan, der charakterlich das genaue Gegenteil von Charlie ist, hat es schwer, sich gegen seine Ex-Frau zu behaupten, und ist mit Charlies Lebensstil gar nicht einverstanden. Zudem wird den Dreien durch Charlies und Alans unerwünschte Mutter Evelyn (Holland Taylor), der Haushälterin Berta (Conchata Ferrell) sowie Rose (Melanie Lynskey), Charlies persönliche Stalkerin, das Leben erschwert.

Charlie Harper

Charles Francis „Charlie“ Harper ist ein Junggeselle in den 40ern, der als Komponist sehr erfolgreich im Werbejingle-Geschäft tätig ist und damit viel Geld verdient. Ab der fünften Staffel beginnt er eine neue Karriere als Komponist von Kinderliedern, da mit den Werbejingles kein ausreichendes Einkommen mehr zu erzielen ist. Charlie fällt auch dies, wie so oft, einfach zu. Er besitzt ein Haus am Strand von Malibu. Außerdem hat er auf jede Situation einen witzigen Kommentar parat. Er trinkt unabhängig von der Tageszeit regelmäßig Alkohol und hat ein offensichtliches Glücksspiel-Problem. Typischerweise trägt er Bowling-Hemden und Shorts. Jedoch hindert ihn seine lockere Lebensart nicht daran, auch Verantwortung für die Familie zu übernehmen. So hat er zum Beispiel Alan und dessen Sohn Jake angeboten, auf unbestimmte Zeit bei ihm zu wohnen, da Charlie sie nicht seiner und Alans Mutter Evelyn aussetzen wollte. Von ihm wird behauptet, dass er ein chauvinistischer Womanizer sei. Er schert sich wenig um die Gefühle von Frauen und ist nur auf Sex aus; was ihn überaus oft in peinliche Situationen bringt, sodann er sich gern mit einem „mea culpa“ entschuldigt. Ein Kind ist jedoch dabei nie entstanden. Die einzigen Frauen, für die Charlie Dinge geopfert hat und an die er sich länger band, waren Lisa, die auch längere Zeit bei ihm wohnte, und die Ballett-Tänzerin Mia (Emmanuelle Vaugier). Er wollte Mia sogar in Las Vegas heiraten. Die Hochzeit scheiterte vordergründig daran, dass Mia den Auszug von Alan und Jake forderte, Charlie aber nicht bereit war, seine Familie im Stich zu lassen. Zu einem späteren Zeitpunkt der Staffel wird jedoch klar, dass Charlie diesen Grund auch als Vorwand für seine eigentliche Bindungsangst nutzte. Die zweite Frau in Charlies Leben ist Rose, mit welcher er in einer Art Hass-Liebe verbunden ist (auch wenn er es nur sehr selten zugibt – siehe Folge 100).

Charlies Vater starb, als er noch klein war. Er und Alan hatten daraufhin einige Stiefväter. Seine Mutter Evelyn hat ihre Männer stets dominiert und gedemütigt. Auf Grund dieser Erfahrungen neigt Charlie dazu, enge Verbindungen zu Frauen zu vermeiden, um sich selbst zu schützen. Trotz wiederholt gegenteiliger Äußerungen ist er froh, dass Alan und Jake bei ihm wohnen, da beide Abwechslung in sein eigentlich einsames Leben bringen.

 

 

Dr. Alan Harper

Alan Jerome Harper musste in das Haus seines Bruders ziehen, da sich seine Frau Judith von ihm scheiden ließ und eine hohe Summe an Alimente von ihm verlangt. Er arbeitet als Chiropraktiker und hat eine eigene Praxis. Sein am Anfang der ersten Staffel 10-jähriger Sohn Jake wohnt an den Wochenenden gemeinsam mit ihm bei Charlie. Alan ist der völlige Gegensatz seines Bruders Charlie, ein konservativer, sehr kontrollierender Mensch, der von den meisten Frauen wenig Beachtung erfährt. Außerdem wirkt er ein wenig tollpatschig. Er sucht nicht die Frau für eine Nacht, sondern eine feste Beziehung und somit die Liebe seines Lebens. Alan lässt zudem durchblicken, dass er ein wenig eifersüchtig auf Charlies Lebensweise ist und beneidet ihn zusehends, muss hingegen auch oft die Fehler seines Bruders ausbaden. Ein Beispiel dafür ist Charlies Affäre mit Alans Anwältin, die diesen de facto alles gekostet hat, was er bis zu diesem Zeitpunkt besaß. Alan wird in der Serie meist als sexuell unattraktiv und Frauen gegenüber schüchtern beschrieben, worunter er leidet. Dies ändert sich jedoch, als er sich wieder verliebt. Am Ende der dritten Staffel heiratet er die deutlich jüngere Kandi, von der er sich allerdings nach vier Monaten wieder scheiden lässt (Beginn Staffel 4).

Als in der 4. Staffel seine Ex-Frau Judith dann endlich wieder heiratet, ist er froh, weil er nie mehr Unterhalt an seine Frau zahlen muss. Seit der 5. Staffel hat Alan mehr Glück mit Frauen als in den Staffeln davor, was wohl daran liegt, dass Charlie ihn und Jake in der Folge "Der Frauendieb" einige Tipps über Frauen gibt. In der 6. Staffel schläft Alan mit Judith und wirft ihn später wieder heraus, weil sie ihn bloß ausgenutzt hatte. Später teilte Judith mit, dass sie schwanger ist. Es ist aber vorerst unbekannt, ob das Baby von Alan oder von Herb ist.

Jake Harper

Jacob David „Jake“ Harper ist der Sohn von Alan und Judith Harper und am Anfang der Serie 10 Jahre alt. Nach der Scheidung von Alan und Judith besucht er seinen Vater jedes Wochenende in dem Haus seines Onkels Charlie. Er ist ein unterdurchschnittlicher, unmotivierter Schüler, der sich mehr für Essen und Fernsehen interessiert. Außerdem lässt er sich sehr leicht von seinem Onkel beeinflussen, da er ihn ziemlich bewundert, wobei auch Charlie ihn für seine unbedarfte, schlitzohrige Art und seinen „trockenen Humor“ liebt und ihn gerne bei sich zu Hause hat.

Berta

Berta ist Charlies korpulente Haushälterin. Sie zeichnet sich durch ihren Sarkasmus und ihr „lockeres Mundwerk“ aus. Sie verbrachte einige Zeit im Gefängnis, was in der Serie immer wieder erwähnt wird und schüchtert dadurch sowohl Charlie als auch Alan häufig ein. Mit ihrer ähnlich gebauten Schwester ist sie verkracht, da sie sich von ihren Eltern ihr gegenüber benachteiligt fühlt. Zudem ist Berta mit dem Lebensstil ihrer Schwester und deren Männerauswahl ganz und gar nicht einverstanden. Sie kennt Charlie hervorragend und weiß stets, was in ihm vorgeht. Sie war schon vor ihm im Haus und wurde von Charlie „übernommen“. Berta ist zudem dreifache Mutter und Großmutter und hat somit auch Tipps für Alan bezüglich seines Sohnes Jake. Von sich selbst erzählt Berta nicht sehr viel, sie lässt jedoch ab und zu einige Merkwürdigkeiten aus ihrem Alltag durchblicken, die Charlie, Alan und Jake häufig verwundern.

 

Evelyn Harper

Evelyn Harper ist Alans und Charlies egoistische, leicht nymphomane Mutter. Sie ist sehr enttäuscht von ihren beiden Söhnen, da diese jeglichen Kontakt zu ihr vermeiden wollen. Sie ist als Immobilienmaklerin ständig geschäftlich unterwegs. Außerdem ist sie sehr reich, vor allem auch, da alle ihre wohlhabenden Ehemänner ums Leben gekommen sind. Ihre Söhne vergleichen sie häufig mit dem Teufel, da sie auf eine schlechte Kindheit mit ihr zurückblicken.

Rose

Rose ist Charlies Nachbarin und Stalkerin. Sie hatte einen One-Night-Stand mit Charlie und redet sich seitdem ein, mit ihm zusammen zu sein. Rose besuchte die Princeton University, an der sie ihren Abschluss bereits nach zwei Jahren (Regelstudienzeit: 4 Jahre) erhielt. Außerdem hat sie einen Master-Abschluss der Stanford University in Verhaltenspsychologie und daher immer Lösungen für Charlies Probleme parat. Sie agiert oft als Aufpasserin für Jake.

Judith Harper

Judith Harper (später Judith Melnick) ist die neurotische Ex-Frau von Alan und Jakes Mutter. Judith gibt an, sich von Alan getrennt zu haben, da sie wegen dessen Kontrollzwangs das Gefühl hatte, in der Beziehung zu „ersticken“. Des Weiteren bezeichnete sie sich nach der Trennung eine Zeit lang als lesbisch beziehungsweise,  sexuell ambivalent mit Alan erst gar nicht wieder versuchte, mit ihr zusammen zu kommen. Nachdem Charlie ein Verhältnis mit Alans Scheidungsanwältin während der Scheidungsverhandlungen abbricht, akzeptiert diese gekränkt alle Forderungen von Judith. Judith erhält dadurch das gemeinsame Haus sowie unverhältnismäßig hohe Alimente und finanzielle Erstattungen. Im weiteren Verlauf der Serie werden die hohen Unterhaltszahlungen oft thematisiert. Judiths Eltern glauben, sie habe ihre Ehe kaputt gemacht, und halten zu Alan. In der vierten Staffel heiratet sie Dr. Herb Melnick (Jakes Kinderarzt).

 

 

man man man man manly

 man man man…“

 

Two and a half men“ kreist um das Thema Männlichkeit - „As the show’s title and theme song state explicitly, Two and a Half Men (T&HM) is primarily about men and masculinity“ (IQ4) - und was es bedeutet, heute ein Mann (nicht nur in Amerika) in einer globalisierenden Welt mit wandelnden Geschlechterrollen (-verteilungen) und Familienbeziehungen zu sein. T&HM negotiates masculinity against several, and sometimes conflicting, backdrops“ (IQ4).  In jeder Episode werden wir Zeuge, wie Die beiden Hauptakteure, Charlie und Alan, ihren Platz in der Gesellschaft suchen, und dabei permanent scheitern. In diesem Sinne tradiert die Sitcom gewisse (a/moralische?) Wertvorstellungen bezüglich Liebe, Ehe, Sex, Familienleben, Geschlechterrollen, Umgang mit Frauen (mit Männern), und zwar in einem bedeutend höherem Maße als es andere rezente Sitcoms tun.

 

Die Struktur von Two and a half Men:

Charlie vs. Alan

Two and a half Men“ weist eine beachtliche Struktur auf: Anhand der asymetrischen Achse Charlie – Alan werden verschiedenste Werte und deren (erfolgreiche; meiste scheiternde) Umsetzung und Integration im Lebensalltag getestet. Beide Charaktere repräsentieren ein Extrem möglicher Moralvorstellungen und opponieren sowie ergänzen sich glänzend als Bedeutungsübermittler. Am einen Ende des Kontinuums steht Charlie Harper, ein ~ 40-jähriger „Bachelor“, der ein traumhaftes Leben in seiner Villa in Malibu zu genießen scheint. Schöne Frauen gehen bei ihm ein und aus, und das Geld scheint ihm, als „jingle-writer“ für Werbungen ebenso ohne große Anstrengungen in den Schoß zu fallen. Dazu trinkt er, raucht Zigarren, spielt, schlägt sich schon mal mit zwielichtigen Gestalten herum.  Oberflächlich erscheint Charlie Harper als leichtlebiger Glückspilz der ein traumhaftes Leben führt und jeden Moment genießt. Genau dieser Aspekt, und die Oberflächlichkeit, sind immer wieder Thema der Serie. In beinahe jeder Folge sieht man Charlie im Bett (oder danach) mit seiner neuesten Eroberung (oder auch: Callgirls, Prostituierte). Die Gespräche mit seinem Bruder Alan oder der Haushälterin drehen sich nicht selten um seinen Lebenswandel, der von verschiedenen Akteuren der Serie (inklusive Charlie selbst) unterschiedlich bewertet wird. Dieser Bedeutungskomplex bildet das Zentrum der Serie, an der die diversen Lebensentwürfe und moralische Bewertungen derselben stattfinden: Charlie selbst steht ambivalent zu seinem Lebenswandel. Einerseits betont er immer wieder, wie sehr er doch Frauen und „bedeutungslosen Sex“ liebe, und macht sich über seinen Bruder und dessen konträre Einstellung lustig, andererseits hadert er selbst mit seiner Unfähigkeit, längerfristige Beziehungen einzugehen oder so etwas (abstraktes) wie „Liebe“ zu entwickeln und zu empfinden. Dazu kommen, in den späteren Staffeln der Serie, immer wieder Gespräche mit einer Psychologin, die sich nicht selten um dieses Thema drehen.

Wie bereits erwähnt wird Charlies jüngerer Bruder Alan in der Serie als Gegenpol und Gegenteil konstruiert und platziert. Als eher erfolgloser Chiropraktiker zieht er nach der Scheidung von seiner Frau mit seinem Sohn Jake in Charlies Villa, weil er nicht weiß wo er sonst hingehen soll, und auch seine finanziellen Mittel (im Gegenteil zu Charlies) sehr beschränkt sind (vor Allem aufgrund der finanziellen Unterstützung für seine Ex-Frau, die in deren ehemaligen Haus wohnt). Alan ist unsicher, neurotisch, penibel, zwanghaft und erscheint oft nervig, andererseits gibt er sich immer wieder bemüht hilfsbereit, liebevoll und fürsorglich. Seine Beziehungen zu Frauen sind durchgehend von seinen negativen Erfahrungen in seiner ersten Ehe und der folgenden Scheidung geprägt und enden oft damit, dass Alan ausgenutzt wird und am Ende wieder alleine dasteht (So auch nach seiner zweiten Heirat mit einer 22-jährigen, die ebenfalls mit der Scheidung endet).

Alan erscheint also oberflächlich als völliges Gegenteil von Charlie. Das verbindende Element ist die Erziehung und Beziehung zu ihrer Mutter, Evelin Harper, einer 4-mal geschiedenen und sehr im Umgang mit ihren Söhnen – ihren Mitmenschen im Allgemeinen - dominanten Immobilienmaklerin. Immer wieder (später auch in psychotherapeutischen Gesprächen oder Gesprächen mit der ausgebildeten Psychologin Rose) führen sowohl Charlie als auch Alan ihr Scheitern in der Beziehung mit Frauen auf ihre Mutter zurück, alle drei verbindet eine Art Hassliebe (wobei oftmals allerdings der Hass im Vordergrund steht), die ganz offen ausgeblebt wird – vor Allem der Hass. Liebesbezeugungen beschränken sich oftmals auf Phrasen („…i have to love you, i´m your mother“ Zitat Evelin in Staffel 3) und oberflächliches Geplänkel. Tiefe Gefühle, so bekommt man den Eindruck, oder offene Zuneigung, gibt es in der Familie Harper sehr wenig. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass die ganze Serie, oder die Grundkonstellation der Handlung erst dadurch entsteht, dass Charlie seinen obdachlosen Bruder und dessen Sohn aufnimmt. Später sagt er sogar seine bevorstehende Hochzeit mit Mia (seiner einzigen ernsthaften Beziehung) ab, weil sie erwartet, dass Alan nach der Heirat auszieht.

In Bezug auf die Struktur der Serie lässt sich zum einen auf Levi-Strauss und sein Konzept der paradigmatischen Struktur rekurrieren, welches über binäre Gegensatzpaare Bedeutung konstruiert (Mader(2007): S. 172). Charlie und Alan, und alles was sie verkörpern, repräsentieren in all ihrer Gegensätzlichkeit an sich schon ein Oppositionspaar, über welches Werte und Vorstellungen dem Seher vermittelt werden. Bestimmte thematische Gegensätze ziehen sich durch die ganze Serie, wie z.B. „Liebe – Sex“, „zynisch – neurotisch“, „fürsorglich – egoistisch“, „emotional – kalt“ etc., wobei die jeweils den Akteuren zugeschriebenen Eigenschaften ohne moralische Be-wertung stehen bleiben; beide Akteure scheitern regelmäßig mit ihren an Lebensentwürfe gebundenen Werten an der Umsetzung in der Lebenspraxis. Ultimately, the characters these actors portray represent opposite ends of the masculinity continuum. Charlie is the alpha male and Alan is the Hansian and Franziangirly man”” (IQ4.)

 

Der Trickster Charlie Harper

Zum anderen kann man sich auf Vladimur Propp und seine syntagmatische Strukturanalyse beziehen, die eine „Dramatis Personae“ ausmacht und sie als Handlungsträger identifiziert (vgl. Mader(2007): 155). In 2HM ist Onkel Charlie eindeutig die zentrale Handlungsfigur. Die konstitutiven Elemente, die sich zur Struktur der Handlung zusammensetzen, lassen sich wie bereits erwähnt mit Levi-Strauss besser analysieren. Dennoch ist der zentrale Charakter Charlie Harper eine solch beachtliche Erscheinung, dass er einer genaueren Betrachtung bedarf. Zu vergleichen ist seine Rolle durchaus mit der des Captain Jack Sparrow in „pirates oft he carribbean“ (vgl. Mader: 188 ff.), einer Trickster-Figur also, die durch Finten, Spiel mit dem eigenen Glück und dem Glück anderer auffällt. Ein Trickster „disobeys normal rules and conventional behavior“ (vgl. IQ5),  oft bewegt er sich auf einer moralischen oder rechtlichen Schiefbahn, kommt am Ende aber immer wieder ungeschoren, als ausgemachtes Schlitzohr sozusagen, davon; zugegebenermaßen viele Eigenschaften, die auch Charlie Harper (bei seinem finanziellen Erfolg, Erfolg bei Frauen, im Beruf usw.) immer wieder zugute kommen. Ein gewisses augenzwinkendes Momentum, eine gewisse Ironie, ist an solchen Figuren auch auszumachen.

Dazu ist der „Kult-Typus“ Charlie mit mehreren ihm typischen Eigenschaften ausgetattet, die hohen Wiedererkennungswert haben und ihn abheben: das Tragen von Bowling Shorts und Shirts, zuhause und draußen, die Überschlagenen Beine beim Sitzen oder seine Jogginghose am Morgen wären solche Merkmale, ebenso seine teuren Autos und sein denkwürdiges KLAvierspiel. Dazu kommen natürlich gewisse Verhaltensweise und eine Art von selbstironischem, sarkastischen bis zynischem Humor, der typisch für Charie sind.

Ebenso wie zwischen Jack Sparrow in Fluch der Karibik und Johnny Depp finden sich diverse Parallelen zwischen Charlie Harper und Charlie Sheen, nicht zuletzt denselben Vornahmen.

This notion is reinforced further by the viewers’ foreknowledge of the actor, Charlie Sheen, who has experienced very public bouts with both substances and women. The lines between the historical (real) and televisual (fictionalized) worlds are further blurred by the character and actor sharing a first name “(IQ4.)

Dies scheint landläufig ein Punkt zu sein, welcher das Hervorbringen von „Kult-Charakteren“ begünstigt. Die Person Charlie Harper lässt sich zudem als Reflexion (Abgesang?) auf die „Traumfabrik“ Hollywood lesen. Oberflächlich scheint alles zu glitzern, das reinste Paradies sozusagen, doch dahinter verbergen sich ungeahnte Tiefen und „Abgründe“ wenn man so will

 

Veränderte Gender-Rollen in Two and a

 half Men:

 „…it´s a WOman´s world...“

 

Charlie Harper“ steht synonym für den im neuen Jahrtausend lebenden (westlichen? Globalen?) Mann, der mit neuen Geschlechterrollen und veränderten Familienverhältnissen konfrontiert ist (und damit nicht oder schlecht zurecht kommt). „…the series…asked viewers to question what meant to be a… middle-aged, white man in America, T&HM begs viewers to question what it means to be a heterosexual one. In short, the program asks viewers to draw distinctions within the social class that historically has embodied the group recognized as the dominant class in American culture“.(IQ4.)  Die Serie bietet aber keine Antworten auf die Frage „Was bedeutet es heute, Mann zu sein?“ sondern bildet vielmehr die täglichen Schwierigkeiten ab die damit zusammenhängen, und stellt Fragen, beleuchtet Perspektiven etc. A…”spectrum of masculinity created by the two lead characters and the actors who portray them” (IQ4.)  Die beiden Hauptakteure, sowohl Charlie als auch Alan, sehen sich zunehmend mit starken Frauen konfrontiert, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, und damit das Leben der Männer in ihrem Umfeld verändern; 2HM ist also auch Ausdruck einer post-feministischen Welt(-ordung) in der Frauen ihren Platz gefunden haben (in der Serie: aggressive Opposition zu Männern, selbstbestimmtes (Sexual-, Berufs-)leben) und nun die Männer dazu gedrängt sind, sich in dieser veränderten Gesellschaft zurechtzufinden. Two and a half Men reflektiert einen sozialen Umbruch im Sinne Raymond Firths (vgl. Mader(2007): S.86) und fungiert so auch als soziale Ressource in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umwälzungen (Emanzipation, Postmoderne, Globalisierung, erodierende Familienverhältnisse etc.). Die Serie bietet aber, wie erwähnt, weniger Antworten, als stellt sie Fragen und testet diverse Werte- und Lebensentwürfe auf Tauglichkeit.

Beide Haupt-Charaktere der Serie nehmen in gewisser Weise eine passive Rolle gegenüber den mächtigen und selbstbewussten Frauen ein: Charlies bewusste Gefühlskälte und Beschränkung seiner Interaktion mit Frauen auf kurzfristige sexuelle Erlebnisse ist ebenso ein fluchtartiges Verhalten wie Alans Unterwürfigkeit beinahe allen Frauen gegenüber; am Ende kulmuniert beider Unfähigkeit, mit Frauen eine auf Respekt aufbauende Beziehung auf gleicher Ebene in immer wieder neuen Rückschlägen und Desastern, die Haupttopos der Serie sind.

 

Veränderte Familienverhältnisse in Two and a half Men:

 

Zurück zum verbindenden Element der beiden Hauptakteure, Evelin Harper, Charlies und Alans Mutter. Sie wird als Ausgangspunkt der Probleme der beiden Hauptaktuere konstruiert, so ist die Eltern (Mutter-) Kind Beziehung ein zentrales Topos der ganzen Serie. Damit im Zusammenhang steht natürlich der größerer Komplex „Familie“ und alles was damit in Zusammenhang steht: Mythen reflektieren, tradieren und kreieren (Moral) Vorstellungen zu verschiedensten Themen, so auch zum Themenkomplex Verwandtschaft. Sie offerieren kulturelle Muster, die als mögliche subjektive/ kollektive Antworten in Zeiten sich wandelnder Geschlechter- und Familienordnungen/-verhältnisse fungieren können (siehe oben: Mythen als soziale Ressource in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche; vgl. auch Mader(2007): S.101 ff.). Der Prozess läuft in beide Richtungen: Mythen reflektieren immer konkrete Problemsituationen und sind an die empirische Realität gebunden. Den „Rohstoff“ kann der „mythmaker“ (Malinowski, vgl. Mader (2007): S.88) kreativ umformen oder in neue Kontexte setzten, womit neue Bedeutung kreiert wird. Diese Bedeutungsbündel werden über Rezeptionsprozesse von  Mythen sozusagen wieder „an die Basis“ gebracht, und gehen dort in die Lebenspraxis realer Akteure des sozialen Lebens ein. Es handelt sich, nach Bourideu, sozusagen um strukturierte Strukturen, die von Mythen transportiert werden, die ihrerseits wieder strukturierend auf den Habitus subjektiver Akteure einwirken (vgl. dazu Bourdieus „Theorie der Praxis&ldquo.

Nun der Blick auf das konkrete Fallbeispiel: Two and a half men „… demonstrate(s) stereotypical families that are problematic though are still functional” (IQ3.) Die “Kernfamilie” In der Serie besteht aus Charlie, Alan, dessen Sohn Jake, der (Groß-)Mutter Evelin, der Haushälterin Berta und der Nachbarin/Stalkerin Rose; alles in allem eine sehr a-typische Familienkonstellation, die allerdings für die heutige Zeit durchaus passend erscheint. Die Serie zeigt Akteure, die sich mit neuen Familienkonstellationen konfrontiert sehen, gleichzeitig gestalten sie dieselben aktiv und konstruieren durch ihre Lebenspraxis neue Familienentwürfe. Es gibt neue Rollen, alte Rollen die von neuen Akteuren eingenommen werden, ebenso wie sich „alte“ Vorstellungen von der Vater-Mutter-Kind-Kernfamilie auflösen oder verschieben. 2HM is

“…contrasting thoughts on family values and demonstrating struggles of unusual family types”. (IQ3.)

 

Conclusio:

Alles in Allem bietet uns das Fernsehen mit 2HM eine, trotz ihrer konventionellen Machweise (oder auch deswegen?), eine außerordentliche Sitcom/Serie, die bei genauerer Betrachtung anfangs nicht zu erwartenden Tiefgang offenbart. Oberflächlich als machoid-zynische Abrechnung mit jeglichen Gender-Diskussionen, entwickelt die Serie ein  gutes Gespür für die Probleme der heutigen Zeit und vor Allem die schon des öfteren proklamierte „Krise der Männlichkeit“. Hervorzuheben ist weiterhin, dass die Serie nicht werten will, sondern verschiedene Lebensentwürfe nebeneinander stehen lässt, ohne einen hervorzuheben oder zu verurteilen. Und, das wichtigste zum Schluss, es macht einfach Spaß, Two and a half Man zu gucken J

 

 

 

 

 

*Anm.: Die Abkürzung „2HM“ steht im folgenden für den Serientitel.

 

Bibliographie:

Mader, Elke: Anthropologie der Mythen. 2007. WUV/facultas. Wien.

Internetquellen:

IQ1.  http://en.wikipedia.org/wiki/Two_and_a_half_men

IQ2a.   http://www.amazon.de/s/ref=amb_link_84382153_28?ie=UTF8&bbn=508214&rh=n%3A284266%2Cn%3A%21547664%2Cn%3A508214%2Cp_n%5Ffeature%5Fbrowse-bin%3A400497011%2Cp%5Fn%5Fbinding%5Fbrowse-bin%3A383371011%2Cn%3A13610411&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=browse&pf_rd_r=1PDHJC7S1KR2YT18FGPF&pf_rd_t=101&pf_rd_p=477079013&pf_rd_i=508214

IQ2b. http://meedia.de/nc/details-topstory/article/neuer-rekord-fr-two-and-a-half-men_100025197.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=77&cHash=723e472362

IQ3. http://www.allfreeessays.com/essays/Ugly-Betty-Vs-Two-And-A/26707.html

IQ4. http://harriss.wordpress.com/2008/03/22/negotiating-laughter-two-and-a-half-men-and-the-negotiation-of-masculinity/

IQ5. http://en.wikipedia.org/wiki/Trickster


5.8.10 16:05

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